Dienstag 25 Mai | Dialog statt Monolog
Es
begab sich, dass Jesus an einem Ort war und betete. Als er aufgehört
hatte, sprach einer seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns
beten.
Lukas 11,1
Diese einfache Frage der Jünger hat mich bislang nicht viel beschäftigt. Sie leitet zwar einer der wichtigsten Gebete ein, das „Vater Unser“, aber für mich war ihre Frage an Jesus irgendwie selbstverständlich: Irgendeiner muss ihnen doch zeigen, wie Beten funktioniert.
Die Sache ist, als Juden hätten Jesus Jünger durchaus Beten gelernt! Der jüdische Alltag basiert eigentlich auf einer ganzen Reihe Gebete und Segnungen, und viele diese Gebete nutzen Verse aus dem Alten Testament. Viele sind wunderschön, aber diese Gebete werden tagein, tagaus wiederholt bis sie sich ins Gedächtnis eingeprägt haben und fast ohne nachzudenken gesprochen werden können, ein immer wiederkehrender Monolog.
Es ist also doch bemerkenswert, dass Jesu Jünger erkannt haben, dass sie eine neue Form des Betens benötigen. Sie haben Jesus beim Beten gehört und beobachtet, und haben erkannt, dass ihre bisherige Form des Gebets nicht ausreichend ist. Sie haben erkannt, dass es zum Gebet mehr gehört, als zu festen Zeiten einige vor-geübte Sätze „herunterzuleiern“.
Im Vergleich zum traditionellen Gebet, ist Jesu Antwort erstaunlich einfach, jedoch erstaunlich herausfordernd und persönlich. Jesus ermutigt sie auch dazu, jederzeit zu beten, ein radikaler Schnitt von den sonst sehr zeitlich organisierten traditionellen Gebete.
Wie sieht’s mit deinem Gebet aus?
Hast du vielleicht den Eindruck, du bist irgendwie stecken geblieben? Deine Gebete wiederholen sich und werden eher aus Gewohnheit gesprochen? Steckst du vielleicht auch im Monolog fest?
Oder weißt du gar nicht, wie du mit Beten anfangen sollst?
Wir können nichts Besseres tun, als dieses Beispiel der Jünger zu folgen, und einfach Jesus bitten, dass er uns das Beten lehrt! Die Verse 2 bis 4 sind ein guter Anfang, aber am allerwichtigsten ist, dass wir auf Jesus hören, denn er kennt unser Leben und weiß, was uns helfen wird. Wenn wir ihm Raum geben, wird er uns auch die Worte geben. Ganz oft ist es nicht das, was wir erwarten und wollen, es kann herausfordernd sein (wie Vergebung), aber es ist immer heilend, denn wir kommen damit in einem Dialog mit Jesus hinein und erlauben ihm, zu unserer Seele zu sprechen.
Genau das wünsche ich dir, dass aus dem Monolog ein lebendiger Dialog wird!
Jean-Marc
Kommentare
Kommentar veröffentlichen